Baier spielt Dorfer, Dorfer spielt Hader
"Indien" mit Oliver
Baier und Gerhard Dorfer

Donnerstag, 10. September 2009
Stadtsaal Hollabrunn
Oliver Baier spielt Theater. Was im typisch
österreichischen Schubladen-Denken denkunmöglich scheint, ist ein Faktum.
Und es funktioniert. Baier ist kein Sowohl-als-Auch-Darsteller. Sondern er
ist Moderator. Und er ist Schauspieler. Beides betreibt er mit der ihm
eigenen Präzision und Perfektion.
Am Theater kommt noch eine weitere Facette hinzu: die Neugier. Neugier
treibt ihn an, wenn er die Sprachlandschaften Werner Schwabs erkundet,
Neugier führt ihn zu einer Figur wie Kurt Fellner. Äußerlich ein Spiegelbild
Baiers, ist der von Alfred Dorfer geprägte "Indien"-Protagonist in seinem
Innersten ein Zerrissener, ein Getriebener. Ein gesellschaftlich angepasster
Beamter auf der Suche nach seinem Sehnsuchtsort fern der alltäglichen
Berufs- und Lebensroutine. Diesem Zerrissenen gilt es Gestalt zu verleihen.
Ihm zur Seite ein Routinier des Theaterbetriebs, der das Staunen nie
verlernt hat: des Kabarettisten Namensvetter Gerhard Dorfer. Er verwandelt
sich in Heinzi Bösel, den schmierigen, abgeschmackten Verlierer der
Wohlstandsgesellschaft. Der Charakterdarsteller und der Moderator, so das
Schubladen-Denken. Aber war das nicht schon bei "Indien" so? Dass man sich
nicht entscheiden konnte: ist das nun noch Kabarett oder schon Theater?
Eben!
Indien - ein Kabarett-Gustostückerl
"Indien" ist ein Wunderwerk des komischen Schreckens. Josef Hader und Alfred
Dorfer bilden trotz exotischen Titels tiefstes Österreich ab.
Unter der Oberfläche der beiden ungleichen Protagonisten, Heinzi Bösel und
Kurt Fellner, die im Wirtshaus über die letzten und die ersten Dinge des
Lebens, über Wiener Schnitzel und ihre Ängste philosophieren, lauern lauter
kleine Tragödien von einsamen Männern.
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